• Züchter der Englischen Rosen
  • 24 Goldmedaillen auf der Chelsea Flower Show
  • WIR BIETEN EINE GEWÄHRLEISTUNG VON 5 JAHREN

David C.H. Austin OBE

1926 - 2018

In tiefer Trauer nimmt die Familie Austin Abschied von David C. H. Austin sen., Träger des Order of the British Empire und der Victoria Medal of Honour, Rosenzüchter und Gründer der Firma David Austin Roses Ltd. David Austin sen. starb am Dienstag, 18. Dezember, friedlich in seinem Heim in Shropshire/Großbritannien im Beisein seiner Familie. Er wurde 92 Jahre alt.

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Vom Schuljungen zum Rosenzüchter

Im ländlichen Shropshire aufgewachsen, entdeckte er schon früh seine Leidenschaft für Pflanzen. Richtig geweckt wurde sein Interesse an Blumen jedoch erst durch die Entdeckung des britischen Magazins Gardens Illustrated in einem Winkel seiner Schulbibliothek. Sein damaliger Lehrer bestärkte ihn dabei, und so beschloss er, sich der Sache ernsthaft zu widmen.

James Baker, ein Freund seines Vaters, betrieb damals eine Gärtnerei unweit der Farm von Davids Eltern. Bei ihren gemeinsamen Besuchen war David jedes Mal von der Sortenvielfalt der Lupinen, die James Baker züchtete, überwältigt. Damals begann sich die Idee, selbst neue Pflanzensorten zu züchten, zu materialisieren. Er stammte aus einer Bauernfamilie und war mit dem Wissen um Pflanzenaufzucht groß geworden; allerdings war sein Vater von der Idee, dieses praktische Wissen auf die etwas abstraktere Welt der Blumen zu übertragen, nicht begeistert. Den Ausschlag gab dann das Buchgeschenk seiner Schwester, die ihm zum 21. Geburtstag das Werk ‚Old Garden Roses‘ (Alte Gartenrosen) von A. E. Bunyard schenkte. – Seine Liebe zu Rosen war entfacht.

Die Saat geht auf

Inspiriert durch die Triebkraft seiner neuen Leidenschaft für Rosen entschied sich David, die Rosenzucht zunächst als Hobby zu betreiben und bestellte mit Anfang 20 die ersten paar Rosenstöcke. Vor allem die Schönheit der der Alten Rosen hatte es ihm angetan und so interessierte er sich vor allem für diese Rosengruppe. Damals waren allerdings gerade Moderne Teehybriden in Mode. Er bestellte also einige Sorten, um beide vergleichen zu können.

Obwohl er an den Teehybriden keinen Geschmack finden konnte, wusste er doch einige ihrer Vorteile gegenüber den Alten Rosen zu schätzen: ihre weit umfangreichere Farbpalette und die Fähigkeit, wiederhole Blütenschübe hervorzubringen. In einem Moment der Erleuchtung erkannte er, dass sich ihm damit eine Gelegenheit bot, etwas ganz Neues zu erschaffen – eine Rose, in der sich die Schönheit und der Duft seiner geliebten Alten Rosen mit den Vorzügen der Modernen Rosen paarten.

Kinderkrankheiten

Seinem Entschluss treu, nahm David nun den langsamen Prozess in Angriff, seinen ganz persönlichen Rosentyp zu züchten. Leider fiel die erste Charge seiner Setzlinge einer Pilzkrankheit zum Opfer – ein Zeichen seiner Unerfahrenheit. Im folgenden Jahr musste er von vorne beginnen. Allen Widrigkeiten zum Trotz, und dank seiner großen Hingabe, brachte er seine erste Rosenkreation, ‘Constance Spry’ (Ausfirst), im Jahr 1961 auf den Markt. Fachleute zweifelten daran, dass irgendjemand diese „altmodischen“ Rosen kaufen würde; Gärtnereien weigerten sich, sie in ihr Programm aufzunehmen. Aber so schnell ließ sich David nicht entmutigen. Er hörte nicht auf die Unkenrufe und beschloss, seine Rosen selbst zu vertreiben – von seinem Küchentisch in Shropshire als Vertriebszentrale. Außerdem hatte er noch ein weiteres Sortiment anderer Rosen im Angebot, darunter Alte Rosen, Kletterrosen und Ramblerrosen.

Das Geschäft blüht

Bis 1969 hatte David seinen Züchtungsprozess weiterentwickelt und ein erstes Sortiment seiner öfterblühenden ‘Englischen Rosen’ auf den Markt gebracht. Die Bezeichnung seiner bahnbrechenden Züchtungen wählte er zum Zeichen der Verschmelzung des Alten mit dem Neuen. Er argumentierte, dass die Franzosen ja ihre Gallica-Rosen und die Schotten ihre Schottischen Rosen hätten; warum also sollten nicht auch die Engländer ihre eigene Rosengruppe haben – war doch die Rose von jeher mit Englands Kultur und Geschichte eng verwoben.

Die ersten Jahre waren nicht einfach, insbesondere weil er mit so vielen anderen Rosenschulen konkurrieren musste. Dank der Unterstützung seiner Frau Pat und der einzigartigen Kombination der Eigenschaften seiner Rosen, gewannen die Englischen Rosen jedoch immer mehr an Beliebtheit, und der Stil der Alten Rosen erlebte eine lange überfällige Renaissance.

Mit der Vorstellung dreier sehr guter Englischer Rosen auf der Chelsea Flower Show des Jahres 1983 kam für David Austin der entscheidende Durchbruch. Eine der drei neuen Sorten war die Rose, die er nach seinem guten Freund und Mentor, dem angesehenen Gartenbauspezialisten Graham Thomas, benannt hatte. Die Reaktion der Presse und des Publikums auf die Rosa ‘Graham Thomas’ (Ausmas) war überwältigend, und fortan schrieb er dieser Rose die Anerkennung und den Erfolg der Englischen Rosen im Allgemeinen zu. Im folgenden Jahr kamen dann die ersten Goldmedaillen auf der Chelsea Flower Show der Royal Horticultural Society (RHS), denen noch viele weitere folgen sollten. Der Schaugarten von David Austin wurde allmählich zum Höhepunkt für viele Besucher; seine Beliebtheit ist bis heute ungebrochen.

Diese zunehmende Beliebtheit belebte auch die Umsätze der Rosenschule. Mit den zusätzlichen Einnahmen konnten nun die rostigen und zugigen alten Scheunen durch moderne Packschuppen und die heruntergekommenen Gewächshäuser durch größere, weiträumigere ersetzt werden, obwohl diese noch aus zweiter Hand waren. Der damals noch kleine Rosengarten, der heute zu den schönsten Rosengärten weltweit zählt, konnte auch vergrößert werden.

Die Kunst der Rosenzucht

Das bessere Einkommen gab David auch die Mittel, seine unerschöpfliche Leidenschaft, das Züchtungsprogramm, allmählich auszubauen. Es zählt heute zu den größten der Welt. Jedes Jahr kamen circa drei neue Sorten hinzu. Der gesamte Prozess einer neuen Rosenkreation – von der Pollination bis zur Marktreife – dauert neun Jahre. Jeder verkaufsreifen Rose gehen Feldversuche mit ca. 120.000 einzigartigen Rosen voraus. Ein Prozess, der David alles an Geduld, Hingabe und Fachkompetenz abverlangte.

“Es gibt nichts Aufregenderes als der Anblick von 350,000 Sämlingen einer ganz neuen Generation, die noch nie jemand zuvor gesehen hat.” - David C H Austin

Seine Züchtungsarbeit brachte ihm einige Auszeichnungen ein; auf eine davon, den Order Of The British Empire (OBE), der ihm 2007 für seine Verdienste an der Gartenbaukunst verliehen wurde, ist er besonders stolz. Nach der Verleihung bemerkte er: "Ich staune immer wieder über das große Glück, mit der Züchtung von Rosen mein Leben bestreiten zu können. Es ist für mich nach wie vor eine große Genugtuung zu sehen, welche Freude den Garten- und Rosenliebhabern auf der ganzen Welt durch meine Rosen zuteilwird.” Weitere Auszeichnungen waren die Victoria Medal of Honour (VMH) der RHS, eine Ehrendoktorwürde der University of East London und die Dean Hole-Medaille der Royal National Rose Society.

Auch seine Rosen wurden weltweit mit Auszeichnungen überschüttet. Der Weltrosenverband (WFRS) kürte 2009 die Sorte ‘Graham Thomas’ (Ausmas) zur „Weltrose“, und ‘Gertrude Jekyll’ (Ausbord) erhielt zweimal den Titel Beliebteste Rose Großbritanniens. Außerdem wurden 28 Sorten mit dem renommierten 'Award of Garden Merit' (AGM) der RHS prämiert. Der Garten in David Austins Heimat Albrighton beherbergt auch die Nationale Sortensammlung seiner Englischen Rosen und wurde 2015 mit dem Award of Garden Excellence des WFRS ausgezeichnet.


Von Generation zu Generation

Im Jahr 1990 trat sein ältester Sohn, David J. C. Austin, in die Firma ein. In gemeinsamer Arbeit expandierten sie das Unternehmen David Austin Roses nach Europa und gründeten in jüngerer Zeit auch Niederlassungen in den USA und Japan.

Er war keiner, der sich auf seinen Lorbeeren ausruht, und so nimmt es nicht Wunder, dass er mit David Junior als treibende Kraft und Unterstützung 1992 begann, ein komplett neues Züchtungsprogramm aufzubauen. Das Ziel war, Sorten zu entwickeln, die sich besonders für den Schnittblumenmarkt eigneten, ganzjährig verfügbar sind und dennoch nichts von ihrer Schönheit, ihrem Duft und Charisma einbüßen – den Attributen, die seine Gartenrosen so unvergleichlich machten. Die erste Schnittrosen-Gruppe kam 2004 auf den Markt. Und wie zuvor bei seinen Gartenrosen, dauerte es einige Zeit bis zur allgemeinen Akzeptanz, wichen sie doch wieder einmal vom Status quo ab. Die Schnittrosen von David Austin gelten heute als ein äußerst renommiertes Produkt und sind weltweit für Brautsträuße und festliche Anlässe sehr begehrt. Sie finden Verwendung bei den intimsten privaten Veranstaltungen bis hin zu den glanzvollen, auf der Weltbühne präsentierten royalen Hochzeiten.

Das Unternehmen David Austin Roses ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gewachsen, ist und bleibt in seinem Kern immer ein Familienunternehmen. Richard Austin, der Enkel von David Austin sen. und Sohn von David Austin jun. gehört zur dritten Generation. Er gehört der Firma seit 2010 an und führt die Leidenschaft und das Lebenswerk seines Vaters und seines Großvaters fort. Unterstützt werden sie von einem loyalen Mitarbeiterteam; manche von ihnen halten der Firma schon seit 15 Jahren die Treue, wie auch der Rosenzuchtleiter Carl Bennett, der schon seit fast 30 Jahren dabei ist. Mit dem Firmenwachstum hat sich auch die Familie David Austin vergrößert, deren Mitglieder David Austin sen. liebevoll Mr. A riefen.

Autor und Poet

Neben seiner Leidenschaft für Rosen liebte er vor allem die Literatur. Davon zeugen die vielen Bücherregale voller unterschiedlichster Bücher in seinem Wohnzimmer. Das erste Buch, das er schrieb war The Heritage of the Rose, das 1988 erschien. Im Jahr 1993 veröffentlichte er die erste Ausgabe von The English Roses (deutscher Titel: Meine Rosen), sein maßgebliches Werk über seine ganz persönliche Kreation, das weltweit großen Anklang fand. Aber besonders begeisterten ihn Gedichte. 2014 veröffentlichte er seine eigene Gedichtsammlung im Band The Breathing Earth, der sich mit seinen Lebenserfahrungen und seiner Liebe zur Natur auseinandersetzt.

Der Vater der Englischen Rosen

In unserer Erinnerung wird er immer einer der ganz großen Rosenspezialisten und Rosenzüchter bleiben und als der Begründer des weltweit ersten Markenprodukts der Gartenbaukunst. Obwohl er bereits 240 Sorten entwickelt hatte, hat seine Leidenschaft, immer weitere neue Sorten der Englischen Rosen zu züchten, bis zuletzt nicht abgenommen. Er starb mit der Gewissheit, was die Zukunft bringen würde, denn schon jetzt hatte er mit seinen neuen Kreuzungen dafür gesorgt, dass daraus in neun Jahren hoffentlich eine neue Sorte entstehen wird.

Obwohl er laufend neuen Inspirationen gefolgt ist, hat sich sein Traum im Allgemeinen seit seiner Anfangszeit als Amateur-Rosenzüchter vor vielen Jahren nicht verändert, nämlich die perfekte gartentaugliche Rose zu kreieren, in der sich Schönheit, Duft, öfterblühende Eigenschaften und Krankheitsresistenz und einem unverwechselbaren Charisma paaren, für das seine Englischen Rosen so berühmt sind. Wie er schon in seinem Buch The English Roses ausführte, hatte er immer nur ein einziges Ziel, das ihm besonders am Herzen lag: „... damit wir immer danach streben, die Schönheit der Blüten, des Wuchses und der Blätter zu vervollkomnen.“ Über den Duft schrieb er: „[Man] könnte sagen, das ist die andere Hälfte der Schönheit einer Rose.“

Er hinterlässt uns ein großartiges Vermächtnis, das weltweit von vielen als großer Schatz gesehen wird und das Ergebnis seiner unbeirrbaren Vision und seines Lebenswerks.

Er hinterlässt drei Kinder, David J. C. Austin, James Austin und Claire Austin aus seiner Ehe mit seiner verstorbenen Ehefrau Pat Austin; außerdem ein Schwester, Barbara Stockitt, acht Enkelkinder und seinen geliebten Hund und Gefährten Bertie.

David Charles Henshaw Austin, Rosenzüchter, Autor und Gründer des Familienunternehmens David Austin Roses, geboren am 16. Februar 1926, gestorben am Dienstag, 18. Dezember 2018.